EEB Forum 2022

Gerechtigkeit üben - Gemeinschaft stärken - Haltung zeigen

Donnerstag, 16. Juni 2022, von 10 - 16 Uhr

im Stephansstift, Kirchröder Straße 44, 30625 Hannover

Flyer herunterladen (PDF)

Die Bertelsmann-Stiftung spricht von einer „erschöpften Gesellschaft“. Nach 24 Monaten Pandemie habe der gesellschaftliche Zusammenhalt gelitten, die Menschen hätten weniger Vertrauen in politische Institutionen und machten sich mehr Sorgen um die Zukunft – nicht zuletzt auch wegen der aktuellen internationalen Krise.

Wie steht es um unser Miteinander vor Ort und in weltweiter Perspektive?
Wie können wir fair zusammenleben – Gerechtigkeit unser Handeln bestimmen lassen?
Was stärkt unsere Gemeinschaft und welche Haltung bestimmt unser Handeln?

Die Impulse

Menschlichkeit JETZT! (Pierre Stutz)
Die UN-Menschenrechtsartikel sind von höchster Aktualität. Sie werden durch Jung und Alt verwirklicht im Alltag und sie werden jeden Tag grausam mit Füßen getreten.  Pierre Stutz entwirft in seinem Vortrag ein Plädoyer für eine Welt, die gerechter, zärtlicher und menschlicher werden kann. Im Sinne von Mahatma Gandhi "Sei du selbst die Veränderung, die du dir wünscht für diese Welt" ermutigt er im Engagement, auch gut für sich selbst zu sorgen.

Pierre Stutz ist Schweizer Theologe und Autor vieler erfolgreicher Bücher zu einer engagierten Spiritualität. Im Jahr 2020 wurde er mit dem Herbert-Haag-Preis ausgezeichnet. Pierre Stutz lebt in Osnabrück und pflegt eine rege Kurs- und Vortragstätigkeit im ganzen deutschsprachigen Raum, siehe www.pierrestutz.ch

Schwarze Haut auf weißem Boden. Verschwiegene Rassismen. (Melanelle B.C. Hémêfa)
Beginnend mit der Black Lives Matter Demo in 2020 nach George Floyds Tod startete ihr politisches Engagement. Retroperspektiv betrachtet stellt sich die Frage: Warum genau dann? Warum nicht nach den zahlreichen rassistischen Übergriffen, die mit ihrer Einreise als politisch Verfolgte vor 24 Jahren begannen und sich bis in das Jetzt ziehen? Im Zuge ihrer politischen Arbeit kam ihr das Privileg zuteil, verschiedene Menschengruppen kennenzulernen, Einblicke in Weltauffassungen, Erfahrungshorizonte und Wissenskontexte zu bekommen, die ihre Arbeit stark prägen. Das Résumé daraus wird sie mit uns teilen.

Melanelle B.C. Hémêfa lebt in Berlin. Von hier aus ist sie als Bildungsreferentin mit Schwerpunkt Antirassismus und Empowerment, Moderatorin, Poetresse und Blacktivistin aktiv.

Das Expertengespräch

Kinder und Jugendliche vor - in - nach Corona – eine Herausforderung für gesellschaftliches Handeln (Kurt Brylla)
„Corona betrügt die Fridays-for-Future-Generation ein zweites Mal um ihre Zukunft!“. Mit dieser provokanten These richtet sich Kurt Brylla an die Eltern- und Großelterngeneration der derzeit Heranwachsenden. Vor dem Hintergrund seiner langjährigen Tätigkeit als Kinder- und Jugendpsychotherapeut am renommierten Winnicott Institut in Hannover spricht er in unserem Expertengespräch vor allem über die doppelte Belastung von Kindern und Jugendlichen durch die Klimakrise und die Coronapandemie. Dabei kritisiert er unter anderem, dass die Umwelt- und Zukunftsängste unserer Kinder lange nicht ernst genommen wurden. Kurt Brylla fordert deshalb eine massive Solidarität mit den Heranwachsenden. Wichtig ist ihm dabei, Handlungsmöglichkeiten für Eltern, Pädagog*innen und gesellschaftlich Verantwortliche aufzuzeigen.

Kurt Brylla, Dipl. Religionspädagoge und Psychotherapeut, ist als ehemaliger Ambulanz- und Fortbildungsleiter des Winnicott Institut Hannover über seinen Ruhestand als Dozent, Supervisor und Selbsterfahrungsleiter am Winnicott Institut tätig.

Stimmen aus der Politik

Digitales Grußwort von Björn Thümler, Minister für Wissenschaft und Kultur in Niedersachsen

In den beschriebenen Kontexten kommt Erwachsenenbildung eine besondere Rolle zu: Sie ermöglicht Reflexions- und Diskursräume: Menschen reflektieren ihre Denkweise und ihre Haltung und kommen möglicherweise zu einer neuen Ausrichtung (biblisch gesprochen: Umkehr). Reflexion, Differenziertheit, Diskurs und Austausch – auch über gegensätzliche Positionen – sind das Grundgerüst einer demokratischen Gesellschaft. Werte-orientierte Erwachsenenbildung leistet dabei einen wesentlichen Anteil und motiviert zum Handeln in zivilgesellschaftlicher Verantwortung.

Grußwort von Daniela Behrens, Ministerin für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung in Niedersachsen

Wie sieht die Ministerin die gesellschaftlichen Entwicklungen in den vergangenen zwei Jahren und der letzten Monate (Ukraine)?
Welche Perspektiven sieht sie, wo möchte sie positive Akzente setzen?
Kommt der Erwachsenenbildung dabei eine spezielle Aufgabe zu? Wie beurteilt sie deren gesellschaftlichen Bildungsauftrag?
Was möchte sie dabei unterstützen?

Die Workshops

1 Kämpferische Gelassenheit (Pierre Stutz)
Wer sich für eine gerechtere Welt ein- und aussetzt, ist herausgefordert, eine gute Balance zwischen Engagement und Rückzug zu finden: Es kommt wohl auf mich an und hängt nie von mir alleine ab! Je mehr wir im persönlichen und beruflichen Umfeld gefordert sind, umso mehr dürfen wir einüben, auch bei uns selbst zu Hause zu sein.


2 "Lecture Performance- Egbe" (Melanelle B.C. Hémêfa)
In diesem Workshop werden sich künstlerische, politische und wissenschaftliche Komponenten vereinen. Dazu liest Melanelle B.C. Hémêfa aus ihrer Kurzgeschichte "Aya" vor, veröffentlicht in „Schwarz wird großgeschrieben“, hrsg. von Evein Obulor und RosaMag. Daran schließt sich ein praktischer Input zum Storytelling an, der in eine Diskussion münden wird.

3 Sichere Bindung – die Notwendigkeit von haltenden Beziehungen (Kurt Brylla)
Klimakrise, Coronapandemie und die Angst vor den Auswirkungen des schrecklichen Krieges in der Ukraine – dies alles führt zu massiven Belastungen für Kinder und Jugendliche und deren Familien. Diesen Krisen sollte eine gesunde seelische Entwicklung entgegengesetzt werden. Im Workshop geht Kurt Brylla den familiären Entwicklungsaufgaben und den gesellschaftlichen bzw. gesundheitspolitischen Herausforderungen nach. Seinen Schwerpunkt legt er dabei auf die Beziehungs- und Bindungsarbeit. Ihr misst er nicht allein im frühkindlichen Alter, sondern auch in der Adoleszenz eine große Bedeutung bei.

4 Globale Gerechtigkeit gestalten (Denise Irmscher)
Die Corona-Pandemie und der Klimawandel gelten als globale Herausforderungen unserer Zeit. Sie betreffen uns alle – jedoch nicht alle gleichermaßen. Die Folgen sind besonders für die Menschen zu spüren, die ohnehin zu den benachteiligten Gruppen gehören, insbesondere für Menschen in Ländern des globalen Südens.

Im Workshop setzen wir uns mit den weltweiten Folgen von Corona und der Klimawandel auseinander und lernen innovative Ansätze und Methoden kennen, mit denen Partnerorganisationen von Brot für die Welt den Krisen begegnen. Im Austausch über die Überwindung dieser globalen Herausforderungen und die mögliche Rolle kirchlicher und diakonischer Einrichtungen soll an positive Erfahrungen angeknüpft werden. Ziel ist es, Impulse zu sammeln, um gemeinsam globale Gerechtigkeit zu gestalten.

Denise Irmscher leitet das Referat Brot für die Welt / Diakonie Katastrophenhilfe im DWiN (Diakonisches Werk ev. Kirchen in Nds. e.V.). Sie vertritt die Anliegen von Brot für die Welt in den Ev.-luth. Landeskirchen Hannovers und Schaumburg-Lippe. Zuvor hat sie im Rahmen des Zivilen Friedensdienstes mit Organisationen in Guatemala und El Salvador zur Vergangenheits- und Erinnerungsarbeit gearbeitet.

5 Geschlechtergerechtigkeit in der Pandemie (Dr. Antje Buche)
Frauen sind in Deutschland im öffentlichen Leben nach wie vor unterrepräsentiert. Ob in Kultur, Politik oder Wirtschaft, sie stehen oft - wenn überhaupt - in zweiter Reihe. Dies hat sich durch die Corona-Pandemie in vielen Bereichen wieder verschärft. Sei es die zusätzliche Carebelastung und die damit einhergehende Retraditionalisierung der geschlechtsspezifischen Rollenbilder, die Zunahme von häuslicher Gewalt oder die katastrophalen Arbeitsbedingungen im Gesundheitssektor, es sind vor allem Frauen, die unter diesen Bedingungen leiden. Gleichzeitig fanden Sie so gut wie kein Gehör, wenn es um politische Werkzeuge zur Abmilderung der Krise ging.

Wir wollen im Workshop über die Ursachen und Hintergründe der fehlenden Geschlechtergerechtigkeit sprechen und darüber diskutieren, was es braucht, um diese Ungerechtigkeit zu beheben.

Dr. Antje Buche ist sozialwissenschaftliche Studienleitung am Studienzentrum der EKD für Genderfragen. Ihre Aufgabenschwerpunkte sind Kirchliche Organisationskultur und Vielfalt, Digitalisierung und Gender, Monitoring und Evaluation.

6 Helfen in Krisenzeiten (Dr. Michael Lukas)
In diesem Workshop geht es um ganz konkretes Handeln und Helfen. Dr. Michael Lukas stellt dazu die Arbeit des Malteser Hilfsdienstes vor. Seit über 900 Jahren hilft der Malteserorden weltweit, seit fast 70 Jahren der Malteser Hilfsdienst in Deutschland Menschen in Not, unabhängig von Herkunft oder Glauben. Dazu gehört auch die Hilfe für Menschen, die vor dem Krieg in der Ukraine geflohen sind. "Wir arbeiten professionell, wie wir dies als Katastrophenschützer gelernt haben, und helfen zugleich aus jener inneren Haltung, die uns das Malteser-Motto gebietet: Bezeugung des Glaubens und Hilfe den Bedürftigen!"

Dr. Michael Lukas, Malteser Hilfsdienst e.V., Hildesheim

Die Musik

Marlene Becher ist eine Singer-Songwriterin aus Hannover. In ihrer Wahlheimat Berlin studierte sie Musikproduktion und ist dort als Musikerin und Sängerin in unterschiedlichen Bands und Projekten tätig. 2019 brachte sie ihr Debütalbum als Solokünstlerin heraus und steht nun kurz vor der Veröffentlichung einer ersten EP mit ihrer neuen Berliner Band „Mercury Kiss“.

Das Programm

   9.30 Ankommen, Stehkaffee
 10.00 Begrüßung
Digitales Grußwort Minister Björn Thümler (Wissenschaft und Kultur)
 10.20 Vortrag mit Aussprache: Menschlichkeit JETZT!
Pierre Stutz 
 11.10 Pause
Zwischentöne (Marlene Becher)
 11.40 Vortrag mit Aussprache: Schwarze Haut auf weißem Grund. Verschwiegene Rassismen
Melanelle B.C. Hémêfa
 
 12.30 Mittagsimbiss
im Anschluss Zwischentöne (Marlene Becher)
 
 13.30 Grußwort Ministerin Daniela Behrens (Soziales, Gesundheit und Gleichstellung)   
 13.45 interaktives Expertengespräch
„Kinder und Jugendliche vor - in - nach Corona – eine Herausforderung für gesellschaftliches Handeln
Kurt Brylla 
 
 14.30  Workshops
 15.30  Pause
 15.45  Abschluss und Reisegen (bis ca. 16 Uhr)
 

 

Kosten inkl. Mittagsimbiss: 25 Euro.
Kostenlos für Empfänger*innen von ALG II, Sozialgeld oder Wohngeld. Ermäßigungen sind möglich. Bitte sprechen Sie uns an.

Zur Anmeldung>>

 

Das Forum findet in Kooperation mit der Katholischen Erwachsenenbildung in Niedersachsen statt.

Wir freuen uns auf Sie!

Ulrike Koertge, Leiterin der EEB Niedersachsen

und

Dr. Marie Kajewski, Leiterin der KEB im Lande Niedersachsen e.V.

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vom 14.12.2017

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